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Melanie Govinda und Ihre Arbeit bei Scalabrini

img_1445An unserem wöchentlichen Clubtreffen am 15.9.2016 stellte Melanie Govinda nicht nur Ihre Arbeit im Scalabrini Center of Cape Town vor, sondern auch zwei Ihrer Schüler, Momo1 und Dieu. Beide berichteten sehr eindrucksvoll von Ihrem Leben als Flüchtling heute in Südafrika – warum das alles passierte, wie es Ihnen auf der Flucht erging und wie sie nun in Kapstadt Ihren neuen Lebensabschnitt begonnen haben.

Hier Melanies Zusammenfassung:

Ich habe den Rotary 4 Way Test und den Spruch des Tages gesprochen, welchen ich speziell angepasst auf meine zwei Schüler und unsere Gäste Mohamed Omar Sheikh Hussein und Dieu Merci Nseka Syamasya ausgewählt habe. Der Spruch lautete: “The difference between a successful person and others is not a lack of strength, not a lack of knowledge, but rather a lack in will” von Vince Lombardi.

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In meinem Vortrag habe ich erneut kurz das Scalabrini Center of Cape Town vorgestellt, welches sich ganzheitlich um die physische und psychische Versorgung afrikanischer Flüchtlinge kümmert. Der größte Teil der Hilfesuchenden kommt aus dem Kongo, Somalia, dem Sudan und Angola.

Der Englischunterricht ist für Anfänger als auch Fortgeschrittene gedacht und kostet R250 für einen viermonatigen Zeitraum. Ich unterrichte freiwillig zwei Mal wöchentlich à zweieinhalb Stunden einen der Fortgeschrittenen- Kurse.

Wir bearbeiten ausführlich bestimmte grammatikalische Strukturen und für sie relevantes Vokabular. Wir arbeiten mit leider sehr unzugänglichen Büchern, die vor langer Zeit von anderen Sprachschulen gesponsort wurden. Daher muss ich lebensrelevantes Material, sprich Arbeitsblätter selbst erstellen. Ich versuche möglichst auch ihren Hintergrund mit einzubeziehen und den Unterricht zielorientiert, aber auch produktorientiert für Scalabrini zu gestalten. Wir sprechen also sowohl über ihren Lebenslauf und führen „echte“ Bewerbungsgespräche durch, fertigen aber auch Collagen mit Fotos ihrer Heimat an, die Scalabrini zur Ansicht und Motivation für neue Schüler bereithalten kann.

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Meine beiden stärksten Schüler hatten die Möglichkeit den Club kennen zu lernen und sich sowie ihren Hintergrund zu präsentieren. Sie waren anfangs sehr aufgeregt und haben sich aber, wie sie mir am am Ende des Abends versichert haben, doch sehr herzlich willkommen gefühlt.

Momo hat berichtet wie er im Jahr 2006 begleitet von seinem Onkel im Boot aus Somalia nach Süd- Afrika geflüchtet ist, um in einem sicheren Umfeld seiner Ausbildung nachgehen zu können. Er hat keine weitere Familie hier und seit einem längeren Zeitraum keinen Kontakt mehr zu ihnen aufnehmen können, da ihm schlichtweg der Aufenthaltsort und eine Kontaktnummer fehlen. Nun nimmt er seit ca. 2 Jahren sehr erfolgreich an den Englisch-Kursen und außercurricularen Aktivitäten bei Scalabrini teil, wo er Freunde und eine kleine Familie gefunden hat.

Dieu hat uns sehr bewegend aufgezeigt, wie er nach Süd-Afrika gekommen ist. Aufgrund seiner politischen Einstellung, die sich gegen das diktatorische Regime in seinem Dorf richtete, wurde er festgenommen, gefoltert und anschließend abgeführt. Ein Familienmitglied, welches ein Oberst im Militär war, konnte ihn unter Androhung von Gewalt frei bekommen und hat ihm dann drei Tage später zur Flucht verholfen. Dieu musste tagelang mehrere Busse, Züge und auch ein Boot nehmen, um aus dem Kongo nach Kapstadt zu gelangen. Er hat keine Familie in Kapstadt, aber auch wie Momo einige Freunde und Familie mit Scalabrini gefunden. Seine Leistungen im Kurs waren so gut, dass er nun zwei Kurse überspringen konnte, um den Fortgeschrittenen- Kurs zu besuchen. Neuerdings ist er ein Fahrer für UBER und erhofft sich mit diesem Job genug Geld zu sparen, um nächstes Jahr studieren zu können.

Anschließend habe ich kurz erläutert wie es zu unserem Rollenspiel auf der Abschlussveranstaltung kam. Einem Großteil der Schüler sind grundsätzliche medizinische Informationen über geläufige Krankheiten wie Tuberkulose, Malaria, Diabetes und vor allem HIV/AIDS nicht oder falsch bekannt. Aus diesem Grund haben die Schüler für sie interessante Krankheiten recherchiert. Um diese wichtigen Informationen möglichst weitläufig und eindringlich zu verbreiten habe ich kurzerhand ein Rollenspiel geschrieben und dieses mit allen Schülern eingeübt. Auf der Abschlussfeier hatten sie dann die Möglichkeit ihre schauspielerischen Qualitäten unter Beweis zu stellen sowie auf eine lustige aber unvergessliche Art und Weise generelle Gesundheitsaufklärung zu leisten. Das Video dieses Rollenspiels haben wir uns angesehen.

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Mein neues Projekt ist das Buch „The little prince“ von Antoine de Saint-Exupéry! Es hat sich heraus gestellt, dass dieses Buch für einige Schüler das ERSTE Buch ist. Ich konnte bei Exclusive Books einen Discount von 10% erhalten. Einige zahlen es nun ab. Wir werden damit Leseverständnis, Wortschatz, Grammatik, Aussprache und sogar das ein oder andere philosophische Konzept erlernen. Vielleicht entsteht daraus sogar das nächste Rollenspiel für die Abschlussfeier.

Momo hat an diesem Abend sogar den Raffle-Preis gewonnen. Da er keinen Alkohol trinkt, hat Ed ihm die Flasche Wein abgekauft. Friedrich hat von Heidi eine leckere MERCI Schokolade ergattert, die er Dieu übergeben hat.

Im Großen und Ganzen war es ein sehr gemütlicher und herzlicher Abend mit authentischen Gästen.

Vielleicht ist in Zukunft eine Zusammenarbeit mit Scalabrini möglich, um der Jugend dieses Landes ein wenig unter die Arme zu greifen. Es sind nämlich gerade die afrikanischen Flüchtlinge, die wir als Gärtner, UBER-Fahrer oder Krankenschwestern kennen. Die meisten von ihnen kommen direkt nach Grenzüberkehrung zu Scalabrini und starten mit den Englisch-Kursen.

Am 20. Oktober wird die English-School-Managerin Samantha Bath weitere Details vorstellen.

Ich möchte mich hiermit ganz herzlich bei Euch für die Offenheit und Freundlichkeit gegenüber Momo und Dieu bedanken. Der Abend gestern wird für sie in langer Erinnerung bleiben.

Melanie Govinda

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